Die Völklinger Hütte - Das Buch zum Weltkulturerbe im Internet - Buchseite 17

Die Völklinger Hütte / Textbereich - Perspektivenwechsel - Buchseite 17


Die Kokerei zersetzt sich selbst von innen. Früher waren die Instandhalter unterwegs. Heute würden nach Meinung des ehemaligen Meisters Manfred Görgen, der kurz nach der Schließung bereits mit einer AB-Gruppe aus Ex-Saarstahl-Arbeitern für erste Wartungen sorgte, drei bis vier Mann genügen, um das Museum besenrein und sicher zu halten. Kann dieses riesige Museum der Arbeit ohne Vitrinen nicht doch eine aufregende, attraktive Vorstellung sein auch für viele? Ist nicht tatsächlich denkbar -vorausgesetzt, es kommt zu einem möglichst umfassenden Erhalt -, daß hier ein touristischer Anziehungspunkt entsteht? Denn es ist unwahrscheinlich, daß sich demnächst auswärtige Massen zum eher bescheidenen Neunkircher "Hüttenpfad" wälzen werden.

Wie es aussieht, hat man den Neunkircher Hüttenweg hauptsächlich für die Neunkircher Bürger konzipiert. Klein und fein - ein Trost. Daß man mit ihm kaum einen Touristen mehr ins Saarland locken wird, das liegt nicht zuletzt auch an seiner eher bescheidenen Größe. Daraus ergeben sich Schlußfolgerungen für Völklingen. Wenn man nun also tatsächlich in Völklingen ein Museum errichten will, sollte man, was die Dimension angeht, einen deutlichen Kontrapunkt zu Neunkirchen setzen. Ein verstümmeltes Miniatur-Ensemble kommt als Werbefaktor kaum In Frage. Wenn überhaupt, dann wird sicher nur ein möglichst gigantisches Denkmal überregional von sich reden machen. Und das dann auch mit Fug und Recht: Wo sonst in Westeuropa könnte man eine derartig komplette Industrie-Stadt besichtigen?

Überall auf der Welt kostet Geschichte Geld. Meist mehr, als Wirtschaftsstrategen über Umwegrentabilität wieder in die Kassen zurückrechnen. Doch fernab jeder Finanzierungsdiskussion gibt es auch noch das wichtige Wort vom "Grundrecht auf Geschichte". Wie alle Grundrechte erfüllt es sich erst durch und mit dem "mündigen Bürger". Und der nimmt seine Geschichte selbst in die Hand.

Das stößt sich nicht mit dem Begriff der "aufgeklärten Denkmalpflege" von Georg Mörsch. Der besagt, daß wir aufhören sollen, die Denkmäler nach unserem Geschichtsbild zu formen. Vielmehr sollen wir umgekehrt "unser Geschichtsbild durch die Denkmäler aufklären lassen". Dazu sind wir aber nur imstande, wenn wir mit ihnen in Kontakt treten dürfen.

Cathrin Elss


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