Die Völklinger Hütte - Das Buch zum Weltkulturerbe im Internet - Buchseite 7

Die Völklinger Hütte / Textbereich - Perspektivenwechsel - Buchseite 7


Auf der Universität mußte sie sich dann fragen lassen, wie man es denn überhaupt in einer derart häßlichen, "verseuchten Stadt" aushalten könne? Sie verstand die Frage nicht. "Über 16000 haben hier gut gelebt, haben von hier aus das sichere Geld in andere saarländische Orte geschleppt, ins Grüne!" Aber sie wußte, daß das nur ein Teil der Wahrheit war.

Zur Zeit ihres Studiums machte sie dann auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit einem seitdem nie mehr vermißten Gefühl.

Ich fuhr zum x-ten Male von Saarbrücken Richtung Völklingen, die Autobahnstrecke, und wurde gewahr: die Hochöfen, die mir da entgegenragten: was war das für ein außergewöhnliches, stummes Schauspiel! Wieso mochte ich es? Erkenntnisprozeß auf emotionaler Ebene: die "Dinger", von deren Produktionsweise ich immer noch nicht allzuviel wußte und deren schroffe Ästhetik mir wenig sagte - für mich bedeuten sie Heimat.

"Kümmert Euch um Eure Denkmäler, und Ihr werdet nicht nötig haben, sie wiederherzustellen." (John Ruskin)

Viel ist mittlerweile geschrieben worden über die stillgelegten Anlagen der Völklinger Hütte. Darüber, daß sie die "Porta Nigra" seien der Mittelstadt, der "Eiffelturm Völklingens", ein "kultureller Schatz", ein "Dinosaurier der Industriekultur", eine "Kathedrale der Arbeit". Fürwahr: verlassene Orte entwickeln ihr eigenes Pathos. Das ist gut so. Sonst legten die Menschen noch schneller Hand an.

Nicht wenige sprechen auch von einem "identitätsstiftenden Ort". Sie bemühen damit einen insbesondere im Saarland vielstrapazierten Begriff, der im Schlepptau der "Alltags-" und "Mentalitätsgeschichte" gerade hier die eifrige Suche nach einer speziellen regionalen Identität auslöste. Die hat sich durch die politisch-ökonomische Sonderentwicklung des ständig fremdregierten, aus- oder angegliederten Saar-Gebietes besonders stark ausgeprägt. Nicht mitentwickelt wurde angeblich aber ein starkes regionales Selbstbewußtsein. Um so hektischer nun das Bemühen um eine ur-saarländische Geschichte und Mentalität, zu deren Zeugen die Industrieriesen von einst aufgerufen werden. Oft hat das mit ernstzunehmender Geschichtsforschung nichts zu tun. Vielmehr mit einer tatsächlich eigen- und einzigartigen "Mir-und-unser-Gärdche"-Philosophie, die allerdings zur Begründung des Erhalts eines derartig gigantischen Industrieriesen, wie ihn Völklingen beherbergt, erheblich zu kurz greift.


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